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Neujahrsempfang 2026 der IHK Köln: Klartext zur Wirtschaftslage

Zwischen Reformappellen, Strukturkrise und vorsichtigem Optimismus

300 Gäste aus Wirtschaft und Politik sind am Donnerstag, 8. Januar 2026, zum Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln zusammengekommen. Der Abend stand im Zeichen deutlicher Worte zur Lage des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Den Auftakt machte IHK-Köln-Präsidentin Nicole Grünewald mit deutlichen Worten, bevor Wirtschaftsweise Veronika Grimm die große ökonomische Einordnung übernahm.

Grünewald: „Es ist Viertel nach zwölf“

Nicole Grünewald, selbst Unternehmerin, zeichnete ein ernstes Bild. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen leide spürbar. Wenn von Wachstum die Rede sei, dann vor allem bei Schulden, Bürokratie und Sorgen um den Wohlstand. Diese Entwicklung komme nicht überraschend. Sie sei das Ergebnis jahrelanger politischer Fehlsteuerung.

Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Köln forderte einen klaren Kurswechsel. Deindustrialisierung und Arbeitsplatzverluste seien nicht gottgegeben, sondern hausgemacht. Probleme müssten benannt und gelöst werden. Abwarten sei keine Option.

Grünewald erinnerte an frühere Positionen der IHK Köln. Etwa zur Verwendung von Infrastrukturmitteln, zum Investitionsrückzug der Industrie oder zum vorgezogenen Kohleausstieg. Diese Warnungen hätten früh Gegenwind ausgelöst, würden sich heute jedoch bestätigen.

Politische Entscheidungsprozesse seien zunehmend von Abhängigkeiten geprägt, sagte Grünewald. Sachlich richtige Entscheidungen würden aus taktischen Gründen verhindert. Das beschädige die Glaubwürdigkeit. „Politik ist für die deutsche Wirtschaft zum Risikofaktor geworden“, erklärte sie.

Ihr Appell richtete sich vor allem an die kommunale Ebene. Ihre Forderungen: Versprechen einhalten. Pragmatisch handeln. Ideologie zurückstellen.

Grimm: Strukturkrise und Reformstau

Veronika Grimm ordnete die Lage aus ökonomischer Perspektive ein. Grimm, Wirtschaftswissenschaftlerin, ist seit 2024 Professorin an der Technische Universität Nürnberg und Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens Energy. Bereits 2020 wurde sie in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen und gehört damit zu den sogenannten Wirtschaftsweisen.

Deutschland stecke seit Jahren in einer tiefen Strukturkrise, sagte Grimm. Das Wachstum sei schwach, Investitionen gingen zurück, Industriearbeitsplätze verschwänden. Gleichzeitig wachse der Staatsapparat weiter.

Sie kritisierte die Reformpolitik der vergangenen Jahre. Kleine Fortschritte würden durch neue Eingriffe wieder neutralisiert. Ein Schritt vor, zwei zurück. Der Blick ins Ausland zeige, wie konsequent andere Länder vorgingen. Grimm nannte unter anderem China, die Golfstaaten und Israel. Dort werde gezielt in Bildung, Technologie und Energie investiert.

Besonders deutlich wurde sie beim Thema Staatsfinanzen. Die Schuldenentwicklung sei alarmierend. Neue Kredite flössen überwiegend nicht in Zukunftsprojekte. Ohne Reformen drohten steigende Zinsen und sinkende Handlungsspielräume. Aus ihrer Sicht wäre es nötig gewesen, erst Reformen zu beschließen und dann neue Schulden zu ermöglichen.

Grimm forderte weniger Regulierung und mehr Vertrauen. Innovationen in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Medizintechnik oder Raumfahrt würden in Deutschland ausgebremst. Wertschöpfung entstehe dann anderswo. Aufgabe der Politik sei es, Räume zu öffnen, nicht alles zu steuern.

Diskussionen bis spät in den Abend


Trotz der düsteren Analysen ließen sich die Gäste den Abend nicht verderben. An den Tischen wurde intensiv diskutiert. Neben Kritik ging es auch um Chancen, neue Ideen und positive Perspektiven für den Standort. Der Neujahrsempfang wurde so zum Auftakt für einen offenen Austausch über Wege aus der Krise.

Text und Bilder: Ertay Hayit

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