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Kölner Praetorium auf dem Weg zum Welterbe

MiQua beteiligt sich mit römischem Monument an UNESCO-Bewerbung

Praetorium in Köln

Praetorium unter dem Spanischen Bau des Kölner Rathauses (Foto: RGM)

Das Praetorium, einzigartiges Bodendenkmal aus römischer Zeit in der Archäologischen Zone am Kölner Rathausplatz und Highlight des zukünftigen „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“, ist eine von drei archäologischen Stätten Kölns, die sich in einem gemeinsamen Vorhaben der Niederlande, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz um den UNESCO-Welterbestatus für den Niedergermanischen Limes bewerben. Die Entscheidung über den Antrag soll im Jahr 2021 fallen.

Der Niedergermanische Limes war eine der wichtigsten Grenzen des Römischen Reiches. 385 Kilometer lang reichte er von Remagen bis Katwijk an der Nordsee und bestand mehr als 400 Jahre. Mit dem Praetorium am Rathausplatz – Statthalterpalast und Zentrum römischer Herrschaft am Rhein – der spätantiken Festung Divitia in Deutz und dem Flottenkastell „Alteburg“ in Marienburg bringt die Stadt Köln drei bemerkenswerte Bodendenkmäler entlang des Limes in die Bewerbung um den Welterbestatus ein.

Prof. Dr. Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln: „Die Nominierung des Niedergermanischen Limes markiert zweifellos einen Meilenstein für die Archäologie und Geschichte Kölns. Auch künftige Generationen werden sich der herausragenden Bedeutung unseres antiken Erbes in den Landschaften beiderseits des Rheins bewusst sein. Gerade in einer pulsierenden Millionenstadt wie Köln gilt es, die Erinnerung an die römischen Ursprünge aufrecht zu erhalten.“
Der Antrag umfasst mehr als 1.000 Seiten mit mehreren hundert archäologischen Fundplätzen auf 400 Kilometern Länge.
Drei Fundplätze liegen im Stadtgebiet Köln: Das Praetorium, das Flottenkastell „Alteburg“ und das Brückenkopfkastell „Divitia-Deutz“.

Das Praetorium war der Sitz des Statthalters der Provinz Niedergermanien und damit das administrative Zentrum der Region. Es bestand bis zum 5. Jahrhundert, wurde in nachrömischer Zeit Sitz der rheinfränkischen Könige. Das Kölner Praetorium gilt als der archäologisch am besten untersuchte Statthalterpalast im römischen Reich, das in Zeiten seiner größten Ausdehnung mindestens fünf Millionen Quadratkilometer und 40 Provinzen umfasste.
Vor allem die Ausgrabungen von Otto Doppelfeld zu Beginn der 1950er Jahren haben zu wesentlichen Erkenntnissen geführt. Die beeindruckenden Palastruinen des 4. Jahrhunderts sind seit den 1960er Jahren von vielen hunderttausend Besuchern bewundert worden. Berühmt geworden sind die Ausgrabungen nicht zuletzt durch den Bestseller „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ von Rudolf Pörtner aus dem Jahr 1959. Seit 2007 haben die Ausgrabungen der Kölner Archäologinnen und Archäologen zahlreiche neue Details zum römischen Statthalterpalast unter dem Rathausplatz ans Tageslicht gefördert.

Das Flottenlager „Alteburg“ im heutigen Köln-Marienburg war die große Marinestation, der die militärische Sicherung der Rheingrenze zwischen Mittelrhein und Nordseeküste oblag. Seit dem 1. Jahrhundert nach Christus waren dort mehrere tausend Marinesoldaten stationiert. Das Flottenlager bestand bis zum 3. Jahrhundert nach Christus. Es gilt als das am besten erhaltene Flottenlager nördlich der Alpen. Große Teile der archäologischen Fundstelle sind in den Gärten und im Straßenland des Villen-Vorortes Marienburg erhalten.
Das Lager hatte eine Größe von rund 70.000 Quadratmetern, war von einer Wehrmauer umgeben. Der Hafen lag auf der Rheinseite. Um das Lager erstreckten sich Gebäude des Lagerdorfes und Friedhöfe.


Das Osttor des Kastells Deutz (Foto: RGM)

Das Brückenkopfkastell Köln-Deutz entstand Anfang des 4. Jahrhunderts im Auftrag von Kaiser Konstantin. Etwa zeitgleich wurde die erste feste Rheinbrücke errichtet. Das mächtige Kastell hatte die Aufgabe das rechtsrheinische Vorfeld der römischen Stadt zu sichern. In der ca. 18.000 Quadratmeter großen Festung waren wohl 500 bis 1.000 Militärs stationiert. Das Kastell „DIVITIA Deutz“ war Bestandteil einer ganzen Kette von Kastellen, die in spätrömischer Zeit zu Sicherung der Rheingrenze errichtet wurden.

Der Antrag auf den Welterbestatus ist ein folgerichtiger Schritt aus langjährigem Engagement. So erforschte beispielsweise das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege seit 2005 das Potenzial des Limesabschnitts im Rheinland und stieß die grenzüberschreitende Zusammenarbeit an. Die Initiative mündete im April 2015 in eine offizielle Vereinbarung zur gemeinsamen UNESCO-Bewerbung der Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz unter Federführung der Niederlande.

Der Limes, die Außengrenze des römischen Imperiums, ist das größte lineare Bodendenkmal in Europa. Hadrianswall und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland sind bereits Teil der 1987 anerkannten transnationalen UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“.
Entlang der fast 400 Kilometer langen Flussgrenze des Niedergermanischen Limes reihten sich zahlreiche Kastelle, Wachttürme und Legionslager auf. Archäologische Überreste gibt es allein in Nordrhein-Westfalen in insgesamt 19 Kommunen und gehören zu den bedeutendsten Denkmälern des Bundeslandes. Daraus entstanden sind bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften. Sie prägen die Region am Rhein noch heute und sind touristisch hochfrequentierte Orte.

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