Darüber sind sich die Medienleute auf dem Medienforum NRW in Köln einig: Wie die Zukunft der Medienlandschaft aussieht, mag keiner vorhersagen. Schließlich gab es vor sieben Jahren noch kein Twitter, Facebook oder YouTube. Und deren Relevanz hat auch keiner vorhersehen können. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eröffnete am 6.6.2013 das 25. Medienforum NRW in Köln mit einer Grundsatzrede.
Engagiert und bestimmt forderte sie einen freien Internet-Zugang für alle: „Unabhängig von Inhalt, Herkunft oder Ziel müssen Daten grundsätzlich gleich behandelt werden. Auch in Zukunft müssen das freie, offene Internet und der diskriminierungsfreie Zugang zum Netz erhalten bleiben.“ Auch sonst müssten sich einige Rahmenbedingungen im Medienbereich ändern: das Pressefusionsrecht, damit Medienunternehmen flexibler kooperieren können, oder fairer Wettbewerb, damit auch regionale Medienanbieter sich mit lokaler Kommunikation am Markt behaupten können. (<link http: vimeo.com external-link-new-window externen link in neuem>…Video der Rede)
Das Medienforum NRW hat sich zu seinem 25. Jubiläum neu positioniert. Straffer organisiert und dialogorienterter will es sein. Auch einen neuen Veranstaltungsort hat man sich ausgesucht: das Gerling Quartier am Kölner Hildeboldplatz. Zum ersten Mal lag die Federführung für das 25. Medienforum NRW bei der Film- und Medienstiftung NRW, die Durchführung bei der Mediencluster.NRW GmbH.
Zukunftsstrategien: keine
Erfrischend die Vorträge von US-amerikanischen Medienexperten. Zum einem der Autor und Internet-Theoretiker <link http: www.shirky.com _blank external-link-new-window externen link in neuem>Clay Shirky, der skizzierte wie bestehende Medienunternehmen ihre bisherige Gate-keeper-Funktion verlieren, weil jede einzelne Person die Möglichkeit habe, ein Publikum zu erreichen. Beispielsweise bei der aktuellen Protestbewegung in der Türkei, die sich in kürzester Zeit über Social-Media-Plattformen organisiere. Oder der Vortrag von Professor <link http: timwu.org _blank external-link-new-window externen link in neuem>Tim Wu aus New York, der mit wenigen Charts aufzeigte, wie sich Medien und Mediennutzung im Laufe der Zeit verändert haben.
Eines von mehreren Diskussionspanels handelte von Zukunftsstrategien der Medienwelt. Mit dabei in der Podiumsdiskussion waren deutsche Medien-Manager wie der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor oder Funke Mediengruppe- (ehemals WAZ) Geschäftsführer Christian Nienhaus oder RTL Geschäftsführer Marc Schröder. Was dort diskutiert wurde, war schon vor zwei Jahren auf dem Medienforum NRW vorgetragen worden und hätte eigentlich schon vor mehr als fünf Jahren ausdiskutiert sein müssen.
Äußerte sich kritisch: Jens Best von Wikimedia
Zu selbstgefällig, zu selbstverliebt, dachte sich sicherlich der Autor und Internet-Aktivist Jens Best, Jahrgang 1972, und twitterte zeitgleich während der Veranstaltung: „Plattformneutralität, Datenportabilität, Open Standards. Nichts wird genannt, wenn crossmedia palavert wird. Kompetenz 2013. Not.“ Seine unaufgeforderten Zwischenfragen beendete er mit der Bemerkung, dass, wenn so weiterdiskutiert würde, sich an dem althergebrachten Mediensumpf nichts ändern werde. Das brachte ihm einigen Applaus aus dem Publikum ein. Nicht nur von jüngeren Teilnehmern.
Auch Blogger Sascha Hüsing fand die Diskussion „wie immer“ und „wenig innovativ“ und wünschte sich für das nächste Mal „mehr Visionen“.
Wünschte sich mehr Schwung: Blogger Sascha Hüsing
Fazit der Redaktion von Koeln-Magazin.de
25. Medienforum NRW: Gut organisiert, gute Themen. Gut, dass es das Forum gibt. Besser noch wäre: Mehr internationale Sprecher. Noch besser: Weniger etablierte, arrivierte und letztendlich satte Medienmanager auf der Bühne. Mehr innovativere Medienmenschen mit frischeren Ideen.
Text und Fotos: Ertay Hayit