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Citroën Deutschland bald weg aus Köln? Oberbürgermeister Jürgen Roters kämpft um den Erhalt des Standorts

Citroën hat in Köln eine lange Tradition. Die steht jetzt auf dem Prüfstand.

Oberbürgermeister Jürgen Roters kämpft für den Verbleib von Citroen Deutschland in Köln

Ein toller Geburtstag für den französischen Autobauer Citroën in Köln. Vor 85 Jahren, am 15.02.1927, wurde in Köln der erste Citroën für den deutschen Markt gebaut. Weniger toll: Nach 85 Jahren überlegt die Deutschland-Zentrale von Citroën ernsthaft, ihr Gelände in Köln-Porz aufzugeben und in das Saarland oder in die Nähe von Frankfurt zu ziehen.

Auf einem Presse- und Businesslunch in der Design-Post in Köln-Deutz erläuterte Citroën Deutschland Geschäftsführer Holger Böhme die Gründe für die Überlegungen. Zum Mutterkonzern PSA in Frankreich gehören die Marken Peugeot und Citroën. Citroën unterhält in Köln seine Deutschland-Niederlassung, Peugeot seine im Saarland. Die Citroën-Bank sitzt in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Jetzt möchte der PSA-Konzern 800 Millionen Euro jährlich einsparen. Für Böhme macht es daher Sinn, dass man die Verwaltung der drei Konzern-Unternehmen in Deutschland zusammenfasst.

Doch die Kölner Wirtschaftsdezernentin Ute Berg und Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters möchten nicht, dass mehr als 240 Arbeitsstellen in Köln wegfallen. Roters hatte in den letzten Wochen bereits Gespräche mit den Vertretern des Konzerns geführt. Auch hat er die Landesregierung in einem offenen Brief um Mithilfe gebeten, die Arbeitsplätze zu erhalten. Der PSA-Konzern solle doch seine Deutschlandzentrale komplett nach Köln verlegen, so Roters.

Kein Wunder, dass Roters auch zum Businesslunch bei Citroën erschien. „Köln bietet im Umkreis von 50 km ca. 7 Millionen potenzielle Konsumenten“, meint Roters in seiner engagierten Ansprache. Und nicht zu vergessen sei „die zentrale Lage in Westdeutschland, ein großes Angebot an gut ausgebildeten und qualifizierten Mitarbeitern, ein hohes Wissenschaftspotenzial und unendlich viele kulturelle Highlights“. Alles gute Gründe aus der Sicht der Stadt Köln, dass Citroën Deutschland in Köln bleibt. Roters versicherte, dass er weitere Gespräche mit Citroën-Geschäftsführer Böhme führen werde. Auch gute wirtschaftliche Angebote für einen Verbleib von Citroën,  wie beispielsweise interessante Immobilien, wolle er sich ausdenken.

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (Mitte) im Gespräch mit Citroën-Pressechef Stephan Lützenkirchen (links) und Citroën-Geschäftsführer Holger Böhme (rechts)


Citroën Deutschland beschäftigt neben den 240 festangestellten Mitarbeitern ca. 60 Mitarbeiter in Zulieferbetrieben. Mit mehr als insgesamt 1 Millionen verkaufter Autos in Deutschland strebt Citroën einen Marktanteil von 2,6 % (im Moment ca. 2,4 %) an. Der Jahresumsatz liegt bei ca. 1,3 Milliarden Euro.

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Kommentar von Ertay Hayit, Chefredakteur koeln-magazin.de


Zu inszenieren weiß sich Citroën großartig. Wenn beispielsweise im trendigen Umfeld der Design-Post der Direktor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stephan Lützenkirchen oder Geschäftsführer Holger Böhme gekonnt von der Zukunft der Marke Citroën schwärmen. Aber Tatsache ist, dass Citroën Marktanteile in Deutschland verloren hat. Und dass der Konzern 800 Millionen Euro einsparen möchte. Dass es so kommen musste, mag an vielen Details liegen. Eines davon möchte ich aus eigener Erfahrung an einem kleinen Beispiel erläutern. Ich bin begeisterter Citroën-Fahrer seit 2002. Mein C5 Diesel Kombi war damals einer der ersten Dieselautos mit Rußpartikelfilter. Grund für mich, ihn zu kaufen. Ich fahre ihn auch heute noch gerne. Aber über das was der Citroën-Kundendienst leistet oder nicht leistet, ließe sich ein Marketing-Lehrbuch schreiben.

Beispiel Werkstatt: Das geschäftlich genutzte und dringend benötigte Fahrzeug fuhr wegen eines Defekts nicht mehr. Frühestmöglicher Werkstatt-Termin bei Citroën in Köln-Porz: 3 Wochen. In einer freien Werkstatt: sofort.

Beispiel Kundenbetreuung: In 10 Jahren kein einziger Anruf oder gar Besuch eines Geschäftskundenbetreuers. Absolutes Desinteresse am Firmengeschäft.

Beispiel Finanzierung: Ein hochnäsiges Telefongespräch mit einem so genannten „Finanzierungsberater“ bei der Citroën-Bank, der unbedingt seine Konditionen durchdrücken wollte.

Fazit: Citroën hätte drei neue Autos an unser Unternehmen verkaufen können. Hat es aber nicht. Das Geschäft machten andere. Clevere, pfiffigere Marken. Und Werkstattumsatz ist auch verloren gegangen. Kein Wunder, dass man jetzt sparen muss. Kunden gut zu pflegen und bestens zu betreuen, ist billiger als immer wieder neue Kunden zu gewinnen. Dann würde man sich bei Citroën über gute Umsätze freuen, müsste nicht aus Köln wegziehen und auch nicht Millionen sparen.

Citroën tradionell (links: Typ 7L) und modern (rechts: DS 5) paßt gut zu Köln


Ertay Hayit

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