Die gute Lage kann die wachsenden Zweifel über die zukünftige Konjunkturentwicklung (noch) in Schach halten
´Eigentlich´ ist die Welt für die Wirtschaft in Köln in bester Ordnung: Über 44 Prozent der befragten Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungsbrachen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als "gut", 49,1 Prozent als "zufriedenstellend" und nur 6,9 Prozent der von der IHK Köln im Rahmen der Winterkonjunkturerhebung befragten Unternehmen klagen über schlechte Geschäfte.
Die gute Lage setzt sich fort bei den Investitions- und Beschäftigungsplänen: 32,5 Prozent der befragten Betriebe planen mehr Investitionen am Standort Köln; 28,1 Prozent wollen neue Arbeitsplätze in der Domstadt schaffen. Demgegenüber planen nur 19,9 Prozent der Unternehmen ihre Ausgaben für neue Gebäude, Anlagen, Maschinen, Büroinventar und Software zu reduzieren und 14,2 Prozent der Betriebe werden wohl Stellen abbauen.
Und selbst nach dem Export-Rekordjahr 2007 rechnen 16,8 Prozent der Unternehmen mit weiter steigenden Ausfuhren, während fast 73 Prozent zumindest keine größeren Veränderungen beim Auslandsgeschäft erwarten.
Also alles bestens? Wieso beginnt dieser Text dann mit ´Eigentlich´?
"Die US-Hypothekenkrise mit den absehbaren Auswirkungen auf die US Konjunktur und deren befürchteten Durchschlag auf unsere Wirtschaftsentwicklung beunruhigen immer mehr Unternehmen", erklärt Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, die in Anbetracht zur guten Lage sehr vorsichtigen Zukunftserwartungen der Wirtschaft: Nur noch 24,3 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit weiteren Umsatz und Erlössteigerungen, schon 13,1 Prozent mit Einbußen."
Dies sind starke Rückgänge gegenüber den Befragungsergebnissen von Ende 2006 und Herbst 2007. Ferger: "Obwohl die eigenen Lage noch gut ist und die Planungen für Investitionen und Beschäftigung vielfach noch optimistisch auf Expansion ausgerichtet sind, befürchten immer mehr Unternehmen ein Abkühlen der Konjunktur durch die schwächelnde US-Wirtschaft, den hohen Euro-Kurs und die stark gestiegenen Preise für viele Rohstoffe, vor allem Energie." Mit der Mindestlohndebatte sowie der Diskussion über die Erbschaftssteuerreform habe die Politik die Unternehmen zusätzlich verunsichert.
Dazu kommen die aus Sicht der Unternehmen sehr konfliktträchtigen laufenden und anstehenden Tarifverhandlungen. "Die Stimmung droht zu kippen, obwohl bei den meisten Unternehmen selbst noch keine Anzeichen für einen Umschwung sichtbar sind", beschreibt Ferger die Situation.
Investitionen und Arbeitsmarkt
Die weiterhin hohe Investitionspläne sind nach Überzeugung Fergers nicht nur ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt, sondern auch ein Hinweis auf eine weiterhin solide Inlandskonjunktur: "Der Aufschwung ist stabil, , die Investitionen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und Produkte, was wiederum dem Exportgeschäft nutzt", so Ferger.
Für den Kölner Arbeitsmarkt ist es eine tolle Botschaft, das weiterhin fast doppelt so viele Unternehmen neue Mitarbeiter/innen einstellen wollen, als andere Betriebe Stellen streichen müssen: "Der Abbau der Arbeitslosigkeit geht weiter, allerdings nicht mehr so schnell wie 2007", erwartet Ferger. Immer öfter könnten Betriebe freie Stellen nicht besetzen, weil der Markt für gut ausgebildete Facharbeiter leergefegt sei.
Wirtschaft wächst - Unsicherheit ebenfalls
Aktuelle Lage vieler Unternehmen weiterhin gut, aber größere Konjunkturrisiken trüben die Zukunftsaussichten ein
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK Köln) zum Jahreswechsel 2007/2008 zeigen, wie stark zurzeit negative Faktoren wie die befürchteten Auswirkungen der US-Hypothekenkrise, der starke Euro und die sehr hohen Rohstoff- und Energiepreise die Unternehmen verunsichern. Und das, obwohl die derzeitige Geschäftslage von einer großen Mehrheit der befragten 655 Unternehmen als "gut" (45,2 Prozent) oder als "befriedigend" (45,8 Prozent) angegeben wird.
"Viele Unternehmen erwirtschaften weiterhin gute Umsätze und Ertrag, haben für weit in das Jahr hinein volle Auftragesbücher und planen dementsprechend ihre Investitionen und ihre Personalentwicklung noch optimistisch", berichtet Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. "Trotzdem befürchten immer mehr Unternehmen, dass der Konjunkturaufschwung durch die schwächelnde US-Wirtschaft abgeschwächt wird oder gar ins Stocken gerät", so Ferger weiter. Diese Verunsicherung schlage langsam immer mehr auf die Lageeinschätzungen und Zukunftsaussichten der Unternehmen durch - mit Folgen für das eigene Handeln.
So sind die Pläne bezüglich der Inlandsinvestitionen und der Beschäftigten weiterhin positiv, aber nicht mehr so expansiv wie noch im Sommer oder im Herbst 2007. Zusammen mit den etwas reduzierten Erwartungen für die kommenden Monate zeigen diese Ergebnisse, dass immer mehr Unternehmen die Gefahren für den Aufschwung ernster nehmen. "Dazu tragen auch negative Signale aus der Politik bei - etwa die Mindestlohndebatte oder die Diskussion über die Reform der Erbschaftssteuer -, die zusammen mit den laufenden Tarifverhandlungen viele Unternehmen verunsichern und beunruhigen.
Gute Lage …
Wachstumstreiber und Stimmungskanonen in der Region Köln sind die
Dienstleistungs- und die Industriebetriebe: Über die Hälfte (53,2 Prozent) der befragten Industrieunternehmen beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage aus "gut", nur 9,3 Prozent klagen über schlechte Geschäfte. Noch einen Tick besser geht es den Unternehmen der vielfältigen Dienstleistungsbranchen: Hier berichten knapp 54 Prozent der befragten Betriebe über gute Geschäfte, nur 2,6 Prozent klagen über schlechte Umsätze und sinkende Gewinne.
Im Handel ist die Lage gespalten: Der Großhandel profitiert vom Aufschwung, während der Einzelhandel 2007 erneut rückläufige Umsätze hinnehmen musste. Die drastische Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel 2006/2007 und die stark gestiegenen Preise für Energie und Kraftstoffe haben die Konsumlust der Bürger ausgebremst. "Diese Effekte konnten auch nicht über die gestiegene Kaufkraft durch die vielen neuen Arbeitsplätze ausgeglichen werden", erklärt Ferger die lahmende Konsumkonjunktur im Inland.
… eingetrübte Aussichten
Der guten Lage zum Trotz sehen immer mehr Unternehmen Risiken für
den Konjunkturaufschwung und schrauben ihre Erwartungen für die
eigene Zukunft etwas zurück: So glauben nur noch 21,2 Prozent aller
befragten Unternehmen, dass in den nächsten Monate ihre Geschäfte
(noch) besser laufen. 63,3 Prozent erwarten keine großen Veränderungen - was angesichts der guten Ausgangslage noch kein Grund zur Sorge sein muss.
Aber immerhin 15,5 Prozent aller Betriebe rechnen mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Noch deutlicher sind die Zahlen der Industrie: Dort erwarten nur noch 18,5 Prozent der Betriebe bessere Zeiten, während schon fast ein Fünftel mit Verschlechterungen rechnet. Auch die sehr optimistischen Dienstleistungsbranchen sehen mit etwas mehr Skepsis in die Zukunft: 27,1 Prozent erwarten besser Geschäfte, zwölf Prozent befürchten Rückgänge bei Umsatz und Ertrag.
Auffällig ist, dass 70 Prozent der Handelsunternehmen keine größeren Veränderungen erwarten: Für den Großhandel ist dies eine gute Botschaft, für den Einzelhandel bedeutet es, dass sehr viele Einzelhändler kein Ende der Misere sehen.
Investitionen im Inland …
Wachstum basiert auf Investitionen und Wachstum generiert neue Investitionen in Gebäude, Maschinen, Büroausstattung und Software. Ein Blick auf die Investitionspläne der befragten Unternehmen nimmt die Angst vor einem Abschwung: 34 Prozent wollen im Inland mehr investieren als bisher geplant, nur 19,5 Prozent wollen Ausgaben für neue Produktionsmittel reduzieren. Besonders investitionsfreundlich ist weiterhin die Industrie (38,5 Prozent wollen mehr investieren) vor den Dienstleistungen (30,2 Prozent) und dem Handel (29,1 Prozent). Nur im Verkehrsgewerbe wollen mit 33,3 Prozent mehr Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren, als andere Betriebe (28,2 Prozent) ausweiten wollen.
… und Beschäftigung in der Region
Die immer noch gute Lage sowie die immer noch expansiven Investitionspläne schlagen weiterhin positiv auf den Arbeitmarkt durch: Fast ein Viertel aller Unternehmen plant mit zusätzlichem Personal, nur 15,7 Prozent wollen Personal abbauen. Besonders die Dienstleistungsunternehmen (30,5 Prozent) rechnen mit weitern Einstellungen. Selbst in der Industrie planen mit 19,8 Prozent der Betriebe mehr Unternehmen neue Arbeitsplätze, als andere Industrieunternehmen (16,6 Prozent) Stellen abbauen müssen. Angesichts dieser Aussagen und Planungen wird die Arbeitslosigkeit im IHK-Bezirk weiter zurückgehen; allerdings nicht mehr in dem Tempo wie 2007. "Inzwischen ist der Mangel an Facharbeitern und gut ausgebildeten Mitarbeitern der größte Hemmschuh für die Expansion
von Betrieben", weiß Dr. Herbert Ferger aus Gesprächen mit vielen Unternehmern.
Neben der Ausbildung von Schulabgängern werde daher die
Fort- und Weiterbildung der Belegschaften immer wichtiger - für den
einzelnen Arbeitnehmer als Schutz vor Arbeitslosigkeit, für das Unternehmen zur Sicherung der eigenen Zukunft.