Medienmenschen aus aller Welt hat die Deutsche Welt in Bonn eingeladen. Zum sechsten Mal veranstaltet sie das Global Media Forum. Laut Angaben der Geschäftsführerin der DW Media Services, Annelie Gröniger, sollen über 2.500 Besucher aus über 100 Ländern der Einladung gefolgt sein. Und so traf man sich im Bonn, um über die „Zukunft des Wachstums“ zu diskutieren. In 54 Veranstaltungen und Workshops setzten sich Journalisten mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über „Economic Values and the Media“ (deutscher Titel: Wirtschaft, Werte und die Medien) auseinander.
Als er zum Vortrag kam, war auch der allerletzte Platz im Plenarsaal des ehemaligen Bundestages in Bonn besetzt: <link http: www.chomsky.info _blank external-link-new-window externen link in neuem>Avram Noam Chomsky. Er ist nicht nur weltweit als Sprachwissenschaftler bekannt, sondern gilt auch als Vordenker der Occupy-Bewegung und kritischer Geist in den USA. Sein Referat zum Thema „Wege zu einer gerechten Welt – Wie das Volk die Demokratie wiederbelebt“ (Roadmap to a Just World – People Reanimating Democracy) war beeindruckend. (Seine Rede auf youtube: <link http: youtu.be _blank external-link-new-window externen link in neuem>
…hier)
Avram Noam Chomsky referierte im ehemaligen Plenum des deutschen Bundestages in Bonn (World Conference Center Bonn)
Chomsky warnte vor weiteren Einschränkungen der Freiheitsrechte in den USA und anderen westlichen Demokratien, die er als „real existierende kapitalistische Demokratie“ bezeichnet. „Die Mächtigen werden nicht nachgeben. Je mehr Freiheit gewonnen ist, desto intensiver wird die Gesellschaft wieder auf den von ihnen gewollten Kurs gebracht“, so Chomsky.
Sorgen machte Chomsky auch die gewaltige Macht der PR-Industrie im politischen Willensbildungsprozess, insbesondere bei den Präsidentschaftswahlen in den USA. Durch Public Relations (Medien- und Öffentlichkeitsarbeit), so ist er überzeugt, werde die Demokratie ausgehöhlt. Weil es nicht mehr um Fakten, sondern um Emotionalisierung im politischen Prozess gehe. Das betreffe nicht nur die USA, sondern würde auch in andere Demokratien übernommen. Man spreche jetzt schon bei der Wahlkampfgestaltung vom „Obama-Modell“.
Avram Noam Chomsky ist renommierte Sprachwissenschaftler aus den USA und bekannter und intellektueller Politikkritiker
Auf die Schlussfrage, was er sich denn von den Medien wünsche, antwortete er knapp aber präzise: „Die Wahrheit bei den wichtigen Dingen“.
Chomskys Vortrag war sicherlich das Highlight auf dem Global Media Forum. Avram Noam Chomsky ist mittlerweile 85 Jahre alt und war sichtlich geschwächt. Aber seine Gedanken sind aktueller denn je.
Joachim Spangenberg vom SERI-Institut referierte in einem der vielen Workshops über "Development Without Growth Without Regrets"
Viel Interessantes gab es auch in den vielen Workshops in kleinerer Runde. „Is enough not enough?“ fragte beispielsweise Joachim Spangenberg, Jahrgang 1955, Volkswirt und Ökologe vom SERI-Institut in Köln. Er dachte gekonnt und kurzweilig darüber nach, wie es eine Entwicklung ohne Wachstum und ohne Reue geben könnte. Denn schließlich seien die Ressourcen unserer Erde begrenzt. Er wünschte sich, dass die Entscheider dieser Welt sich mehr mit der Fragestellung der Nachhaltigkeit beschäftigten.
Fazit der Redaktion von Koeln-Magazin.de
Das World Media Forum ist ein sehr engagierter Kongress in Bonn. Es gibt noch weltweit viel zu besprechen und zu diskutieren. Und das sollte man nicht im Elfenbeinturm tun. Deshalb ist es wünschenswert, dass der Kongress noch viele weitere Auflagen erhält und die Macher von der Deutschen Welle darauf achten, dass die Veranstaltung weiterhin ein offenes Forum bleibt.
Fakten
Beim dreitägigen Global Media Forum der Deutschen Welle im World Conference Center Bonn diskutieren mehr als 2.500 Gäste aus aller Welt. Thema der sechsten Ausgabe der Konferenz ist „Die Zukunft des Wachstums – Wirtschaft, Werte und die Medien“. An den rund 50 Workshops und Plenumsveranstaltungen beteiligen sich zahlreiche Partner.
Mitveranstalter der Medienkonferenz ist die Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse in Bonn. Unterstützt wird die Konferenz zudem vom Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bonn. Kooperationspartner ist die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.
Text und Fotos: Ertay Hayit