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Herz retten, Hitze überstehen: Was Köln beim Herz- und Gefäßtag lernen kann

Reanimation zum Ausprobieren, neue CT-Technik und das gesunde Älterwerden: Prof. Marc Horlitz bringt Fachleute und prominente Gäste in den Gürzenich. Ludwig Sebus verrät mit 101 Jahren sein ganz eigenes Rezept

Wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht und das Herz stehen bleibt, entscheiden die ersten Minuten. Doch bei vielen Kölnerinnen und Kölnern liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahre zurück. Diese Erfahrung macht auch Prof. Dr. Marc Horlitz: „Wer hat nach der Führerscheinprüfung noch mal freiwillig so einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht?“, fragt der Chefarzt der Kardiologie am Krankenhaus Porz am Rhein. Beim 16. Herz- und Gefäßtag im Gürzenich will sein Team deshalb ganz praktisch zeigen, was im Ernstfall zu tun ist. 

Der Herz- und Gefäßtag findet am Samstag, 26. September 2026, von 10 bis 13.30 Uhr im Großen Saal des Gürzenich statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung.

Horlitz: Auch die einladen, „die keine Patienten werden wollen“

Organisiert und moderiert wird der Herz- und Gefäßtag von Prof. Dr. Marc Horlitz, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Elektrophysiologie und Rhythmologie am Krankenhaus Porz am Rhein. Horlitz ist seit 20 Jahren Chefarzt in Porz.

Seinen Auftrag sieht er längst nicht nur innerhalb der Klinik. Medizinisches Wissen müsse auch Menschen erreichen, die bislang gesund sind. „Wir laden nicht nur die ein, die Patienten sind und betroffen sind, sondern vor allem die, die keine Patienten werden wollen“, sagte Horlitz bei der Vorstellung des diesjährigen Programms.

Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Chefarztes rund 1.000 Menschen zum Herz- und Gefäßtag. Die Vorträge sollen kurz und verständlich bleiben. Jeweils rund zehn Minuten sind vorgesehen. 

Zehn Minuten, die im Notfall helfen können

Dr. Ranka Marohl, Chefärztin der Notfallambulanz, und Dr. Christoph Kemmerich werden auf der Bühne zeigen, wie eine Reanimation heute abläuft. Eine Reanimationspuppe und ein Defibrillator machen anschaulich, was Helferinnen und Helfer tun können, wenn ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet. Dabei geht es auch um neue Empfehlungen zur Wiederbelebung.

Nach der Vorführung soll es Gelegenheit geben, die Wiederbelebung im Foyer selbst auszuprobieren. Dort werden ebenfalls eine Reanimationspuppe und ein Defibrillator bereitstehen.

Wenn Hitze Herz und Kreislauf belastet

Hohe Temperaturen können Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders belasten. Auch die Wirkung von Medikamenten kann sich bei Hitze verändern.

Horlitz warnt davor, dies zu unterschätzen. Einige Medikamente, die Menschen mit Herzerkrankungen einnehmen, können bei Hitze intensiver wirken. Der Blutdruck kann sinken, dadurch steigt etwa die Gefahr von Stürzen. „Das sind Dinge, die die Leute wissen müssen“, sagt der Kardiologe.

Dr. Petra Weßling wird beim Herz- und Gefäßtag erklären, was sommerliche Hitze für Herzpatientinnen und Herzpatienten bedeutet und was Betroffene beachten sollten.

Ein besonderes CT aus der Luft- und Raumfahrtmedizin

Das Krankenhaus Porz arbeitet bei der Bildgebung mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen. Dadurch können Patientinnen und Patienten des Krankenhauses für bestimmte Untersuchungen photonenzählende CT-Technik nutzen. Es soll das erste Gerät dieser Art in Köln sein.

Prof. Dr. Martin Bansmann wird die Technik vorstellen und mit Horlitz darüber diskutieren, welchen Nutzen sie für Patientinnen und Patienten hat.

Horlitz beschreibt das CT als besonders leistungsfähig, verweist aber auch auf die hohen Kosten solcher Geräte. Durch die Kooperation können Patientinnen und Patienten aus Porz für entsprechende Untersuchungen die Technik des Kooperationspartners nutzen.

Ist 60 wirklich ein Wendepunkt?

Was verändert sich, wenn auf dem Geburtstagskuchen eine 60 steht? Bewegung, Ernährung, Gewicht und geistige Fitness rücken beim Herz- und Gefäßtag in einer eigenen Gesprächsrunde in den Mittelpunkt.

Mit dabei sind der Gastroenterologe Prof. Dr. Wolfgang Holtmeier, Detlef Langemann, Mitbegründer, früherer Mannschaftskapitän und Deutscher Meister der Kölner Haie, sowie Ludwig Sebus. Der Grandseigneur des Kölner Karnevals kann im Jahr 2026 auf 101 Lebensjahre zurückblicken.

Sebus macht deutlich, dass für ihn Gesundheit mehr umfasst als körperliche Fitness. Auch die Psyche gehöre dazu. „Es ist wichtig, dass man versucht, noch jeden Tag irgendwie zu lachen“, sagt Sebus. Und fügt hinzu: „Wenn das Lachen verstummt, leidet auch das Herz.“

Auf die häufige Frage, wie er so alt geworden sei, hat Sebus eine Antwort mit typisch trockenem Humor: „In erster Linie, dass ich nicht gestorben bin.“

Mit Blick auf den großen Zuspruch für den Herz- und Gefäßtag scherzt Sebus: „Ich nehme an, wir brauchen in Zukunft ein Stadion.“

Frauenherz: Wenn Hormone den Takt verändern

Hormone, Wechseljahre und Herzbeschwerden stehen ebenfalls auf dem Programm. Das Krankenhaus Porz hat vor drei Jahren ein Frauenherzzentrum gegründet. Beim Herz- und Gefäßtag diskutiert Dr. Conchita Ruiz-Mohné mit der WDR-Journalistin und Moderatorin Martina Eßer über Herzklopfen, Hitzewallungen und die Auswirkungen der Wechseljahre auf das Herz.

Eßer kennt das Thema auch aus eigener Erfahrung. Sie sprach offen über Wechseljahre, Hormontherapie und Herzklopfen. Beschwerden am Herzen könnten stark verunsichern und Angst machen. Das Frauenherzzentrum bietet Betroffenen eine spezialisierte Anlaufstelle.

Dabei geht es nicht allein um Frauen in den Wechseljahren. Auch jüngere Frauen können von einer auf das Frauenherz spezialisierten Untersuchung und Beratung profitieren.

Was Betroffene über ihr Herz wissen wollen

Für den Herz- und Gefäßtag sind keine medizinischen Vorkenntnisse nötig. Die Vorträge greifen Fragen auf, die Betroffene und Angehörige beschäftigen: Wie lässt sich Vorhofflimmern behandeln? Welche neuen Möglichkeiten gibt es bei Herzschwäche? Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod? Wann werden verengte Gefäße in den Beinen gefährlich? Und was passiert, wenn Bakterien das Herz angreifen?

Auch starkes Übergewicht und Diabetes sollen thematisiert werden. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit Skoliose und Kyphose. Die Fachleute erklären dabei, wie Veränderungen der Wirbelsäule Herz und Kreislauf belasten können.

Das komplette Programm mit allen Themen und Fachleuten steht am Ende des Artikels.

Wenn ein krankes Herz mehrere Fachleute braucht

Bei schweren Herzerkrankungen müssen häufig mehrere Fachrichtungen zusammenarbeiten. Beim Herz- und Gefäßtag erklären Dr. Katja Bohmann und Dr. Helge Anders, wie Kardiologie und Herzchirurgie bei Hochrisikopatientinnen und -patienten gemeinsam vorgehen.

Horlitz betont die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Gerade bei schwer erkrankten Menschen müssen Kardiologinnen und Herzchirurgen gemeinsam entscheiden, welche Behandlung infrage kommt.

Ein Beispiel für die dabei eingesetzte Technik werden Besucherinnen und Besucher im Foyer sehen können. Dort soll eine Impellerpumpe ausgestellt werden. Eine solche Pumpe kann das Herz bei bestimmten schweren Eingriffen vorübergehend unterstützen.

Nach den Vorträgen ist Zeit für persönliche Fragen

Längere Publikumsfragen während der Vorträge haben sich in den vergangenen Jahren als schwierig erwiesen. Deshalb verlagert das Krankenhaus die persönlichen Gespräche ins Foyer.

Nach dem Bühnenprogramm stehen die Fachleute dort für individuelle Fragen bereit. Horlitz will dafür bewusst Zeit lassen. Auch die Reanimation kann dort praktisch ausprobiert werden.

Besucherinnen und Besucher können ihre Fragen direkt den Medizinerinnen und Medizinern stellen. Dabei können sie Themen aus den Vorträgen vertiefen und Fragen zur Vorsorge oder zu Herz- und Gefäßerkrankungen ansprechen.

Text und Bild: Ertay Hayit

16. Herz- und Gefäßtag: Termin, Ort und Eintritt

Der 16. Herz- und Gefäßtag findet am Samstag, 26. September 2026, von 10 bis 13.30 Uhr statt.

Veranstaltungsort ist der Große Saal im Gürzenich, Martinstraße 29 bis 37, 50667 Köln. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung.

Horlitz empfiehlt, frühzeitig in den Gürzenich zu kommen, wenn ein Platz weiter vorne gewünscht ist. Nach dem Bühnenprogramm bleibt Zeit für Gespräche mit den Fachleuten im Foyer.

Das Programm des 16. Herz- und Gefäßtages

Begrüßung
Prof. Dr. med. Marc Horlitz

Grußworte
Deutsche Herzstiftung und Geschäftsführer Dr. med. Andreas Weigand

Hoffnung durch neue Säulen in der Behandlung der Herzschwäche!
Hanno Wied

Risiko Klimawandel für Herzkranke! Was ist bei sommerlicher Hitze zu beachten?
Dr. med. Petra Weßling

Skoliose und Kyphose: Wenn die Wirbelsäule Herz und Kreislauf belastet. Was können Betroffene tun?
Prof. Dr. med. Jan Bredow und Dr. Franziska Wallscheid

Hightech aus der Luft- und Raumfahrtmedizin nun auch für Patienten? Erstes photonenzählendes CT-Gerät in Köln!
Prof. Dr. med. Martin Bansmann

Vorhofflimmern bei Adipositas und Diabetes mellitus: Ablation oder Lifestyle-Modifikation?
Prof. Dr. med. Marc Horlitz

Neue Erkenntnisse zum plötzlichen Herztod: Für wen ist das Risiko wirklich hoch?
Dr. med. Ehssan Berenjkoub

Live-Demonstration: Reanimation rettet Leben! Was wird heute anders gemacht?
Dr. med. Ranka Marohl und Dr. med. Christoph Kemmerich

Ist 60 plus der Wendepunkt? Ernährung, Bewegung und Gehirn auf dem Prüfstand!
Prominentengespräch mit Prof. Dr. med. Wolfgang Holtmeier, Detlef Langemann und Ludwig Sebus

Endokarditis: Wenn Bakterien das Herz angreifen
Priv.-Doz. Dr. med. Dennis Rottländer

Herzklopfen und Hitzewallungen? Hormone, Wechseljahre und das Frauenherz im Faktencheck
Podiumsdiskussion mit Martina Eßer und Dr. med. Conchita Ruiz-Mohné

Spitzenmedizin als Teamwork für das kranke Herz: Wie können Kardiologie und Herzchirurgie gemeinsam Hochrisikopatienten retten?
Dr. med. Katja Bohmann und Dr. med. Helge Anders

Verengte Gefäße in den Beinen sind gefährlich: Welche Prävention ist sinnvoll, wann Stents oder OP?
Podiumsdiskussion mit Dr. med. Thomas May und Dr. med. Beatrice Tonnellier

Innovative Nahttechnik für eine schonende Aortenchirurgie
Prof. Dr. med. Mirko Doss

Persönliches Treffen mit dem Expertenteam im Foyer

Organisation:
Prof. Dr. med. Marc Horlitz
Krankenhaus Porz am Rhein gGmbH
Chefarzt der Klinik für Kardiologie,
Elektrophysiologie und Rhythmologie
Urbacher Weg 19, 51149 Köln
www.khporz.de 

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