Aus wirtschaftlicher Sicht blickt der Flughafen Köln-Bonn auf ein gemischtes Jahr 2012 zurück. Zwar konnte die Flughafengesellschaft einen Gewinn von 4 Millionen Euro nach Steuern sowie gute Ergebnisse im Bereich Frachtverkehr erzielen, doch gingen die Passagierzahlen weiter zurück. Über die Gründe dafür, aktuelle Zahlen sowie geplante Neuerungen, berichtete Michael Garvens, der Vorsitzende der Geschäftsführung, als er die Bilanz des vergangenen Jahres vorstellte.
Im Bereich Passagierverkehr musste der Flughafen einen starken Rückgang verzeichnen. „Der Grund dafür sind die großen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin, die viele Flugziele ab Köln-Bonn gestrichen haben“, so Garvens. Für den Airport bedeutete das einen Verlust von etwa einer halben Million Fluggästen. Ein weiteres Problem sei die 2011 eingeführte Luftverkehrssteuer. Der Vorsitzende meint: „Sie muss abgeschafft werden“. Die Steuer führe dazu, dass Passagiere auf die grenznahen Flughäfen der Nachbarländer, wie z. B. der Niederlande oder Luxemburg, ausweichen. Auch die vielen Streiks haben sich negativ auf die Verkehrsentwicklung ausgewirkt, sagte Garvens. Seit 2010 sei der Flughafen 20 Mal bestreikt worden, was mit 420 gestrichenen Flügen, 41.200 Fluggästen weniger und 660.000 € Umsatzeinbuße zu Buche geschlagen habe.
Die Zahlen des Frachtverkehrs fallen für die Flughafenbetreiber hingegen erfreulicher aus: Hier konnte ein Plus von einem Prozent erzielt werden. Mit großen Konzernen wie UPS und FedEx gehört Köln-Bonn zu den 30 größten Cargoflughäfen der Welt. „Auf solche Ergebnisse sind wir sehr stolz“, sagt Michael Garvens. Auch die Mitarbeiterzahlen seien gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben. Derzeit sind 1.829 Arbeitsplätze besetzt.
Mehrere Neuerungen sollen zu einer wirtschaftlichen Verbesserung des Flughafens beitragen. Bis Ende 2013 entsteht ein Neubau der Germanwings-Hauptverwaltung auf dem Flughafengelände, mit dem gleichzeitig neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Fluggesellschaften Ryanair, SunExpress und Norwegian Air wollen ihre Flugziele ab Köln-Bonn ausweiten. Sie planen, dann vor allem Ziele wie Alicante, Teneriffa und Malaga häufiger anzufliegen. Darüber hinaus wurde in Terminal 1 eine neue und größere Gepäckausgabe eingerichtet, in der es auch ein separates Band für Sperrgepäck gibt. Im Juni 2013 soll in Terminal 2 der konfessionslose „Raum der Stille“ eröffnet werden und Reisenden auf rund 200 Quadratmetern eine Rückzugsmöglichkeit bieten.
Für das laufende Jahr erwartet die Flughafengesellschaft dennoch einen Rückgang der Passagierzahlen um weitere 3 Prozent. Dennoch geht Garvens davon aus, dass die schwierigste Zeit überstanden ist: „Wir denken, dass wir im nächsten Jahr wieder Zuwächse vermelden können“. Dafür investiert die Gesellschaft 45 Millionen Euro.
Text: Sarah Walter