Der Kölner Künstler Ralf Witthaus ist mit seinen Rasenmäherzeichnungen bekannt geworden. Sein neuestes Projekt ist ein virtuelles Bohrloch von Deutschland nach Neuseeland. Diese werden in den Rasen gemäht und spiegeln die jeweils gegenüber liegende Landschaft.
Koeln-Magazin.de: Ein Bohrloch nach Neuseeland? Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?
Ralf Witthaus: Mich interessieren Dinge, die in der Welt bereits existieren, aber nicht fassbar sind. Viele Kinder fragen: „Wo kommen wir denn an, wenn wir unter unseren Füßen bohren?“ Und ich habe damals von meinem Vater die Antwort „Neuseeland“ erhalten. Aber wer hat sich denn schon mal auf die Reise begeben um zu erkunden, wo man wirklich herauskommt? Mit dem Bohrloch nach Neuseeland gebe ich der jeweils anderen Seite der Welt ein Gesicht.
Das Bohrloch in Auckland spiegelt den Hof in Löhne (Foto: Harald Neumann)
Koeln-Magazin.de: Was passiert denn nun genau bei der von dir kreierten Internationalen Rasenschau 2012 in Deutschland und in Neuseeland?
Ralf Witthaus: Das Schöne ist, dass wir zwei Orte haben, die in Bezug zueinander geraten. Mein Bohrloch ist ein virtuelles Bohrloch. Es bildet jeweils einen Kreis, in dem ich in Deutschland eine neuseeländische Landschaft eins zu eins auf einer 7000 m² großen Fläche spiegele. In Neuseeland wiederum zeichne ich die deutsche Landschaft nach.
Koeln-Magazin.de: Du hattest die Idee und dann bist du nach Neuseeland gereist?
Ralf Witthaus: Am Anfang habe ich mich an den Computer gesetzt und versucht, in Neuseeland Kontakte zu knüpfen und eine Grünfläche zu finden. Beim Botanischen Garten in Auckland hat es dann geklappt. Dort steht eine Plastik von Peter Lange, die ein gemauertes Boot darstellt. In Deutschland hat mir ein Bauer in Löhne seine Grünfläche angeboten, der ich wunderbar die neuseeländische Landschaft gegenüber stellen konnte. Das heißt, dass ich in Neuseeland den Hof dieses Bauern und in Deutschland das Boot aus dem Botanischen Garten gezeichnet habe.
Für Ralf Witthaus sind 7000 m² Heimat hinzugekommen
(Foto: Koeln-Magazin.de)
Koeln-Magazin.de: Wie hast du dieses Projekt realisiert?
Ralf Witthaus: Wir haben kaum staatliche Hilfen bekommen, sondern ich habe in den letzten zwei Jahren Leute gesucht und gefunden, die das Projekt unterstützen. In Löhne habe ich eine Woche lang mit vier bis acht Helfern gearbeitet. Nach Neuseeland bin ich gemeinsam mit neun Helfern geflogen. Hinzu kamen noch drei Neuseeländer, die spontan mitmachen wollten. Dort haben wir zwei Wochen vermessen und währenddessen Gebäude und Bäume in den Rasen gemäht.
Das jeweils andere Ende der Welt wird in den Rasen gezeichnet
(Foto: Harald Neumann)
Koeln-Magazin.de: Hat sich nach der Realisierung dieses Projekts die Anfangsidee verändert?
Ralf Witthaus: Das große Ergebnis, mit dem ich nicht gerechnet habe ist, dass ich mich immer wieder an diesen Ort versetzen kann. Ich weiß, wie zu jeder Tageszeit die Lichtverhältnisse sind, kenne die Menschen, die vorbei kommen. Es sind für mich 7000 m² Heimat hinzugekommen.
Koeln-Magazin.de: Welche kulturelle Leistung ist mit diesem Projekt verbunden? Wie lautet deine Botschaft?
Ralf Witthaus: Meine Arbeit hat einen ortsspezifischen Charakter. Uns allen ist zwar geläufig, dass wir auf einem Planeten leben, aber ich gebe dem jeweils anderen Ort ein Gesicht. Ich habe zwei Orte auf dieser Welt geschaffen, an dem die Leute gestanden und gesagt haben: „Aha, so ist es auf der anderen Seite der Welt“. 
In Löhne wurde eine Woche an dem Bohrloch gearbeitet
(Foto: Harald Neumann)
Das Bohrloch in Löhne
(Foto: Harald Neumann)
Ralf Witthaus
(Foto: Harald Neumann)
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