Am 22. Februar 2012 fand zum 12. Mal das Katerfrühstück des Arbeitgeberverbandes <link http: www.arbeitgeber-koeln.de index.html external-link-new-window external link in new>Arbeitgeber Köln e.V. statt. Im Pullman-Hotel hoch über den Dächern der Domstadt erklärte Psychologe Stephan Grünewald, Geschäftsführer des Rheingold Instituts für Qualitative Markt- und Medienanalysen, mit einer gehörigen Portion Humor, warum Köln trotz nicht zu leugnender und lang bekannter Probleme eine lebenswerte und attraktive Stadt für immer mehr Menschen ist.
Claudia Schall, Chefredakteurin von Radio Köln, und Stefan Sommer, Leiter der Lokalredaktion der Kölnischen Rundschau, führten unter dem Motto „Köln bleibt Köln – Und täglich grüßt das…“ durch das Gespräch und thematisierten sinnbildliche wie wortwörtliche Baustellen.
Im Gespräch wurde auf die zuvor von Reinhard Pede verlesenen satirischen Nachrichten* Bezug genommen. Zu viele Baustellen und kein vernünftiges Verkehrswesen prägen die Fortbewegungsmöglichkeiten in der Domstadt. Nach „<link http: www.amazon.de exec obidos asin fernwedasinsi-21 external-link-new-window external link in new>Köln auf der Couch“-Autor Grünewald gibt es dafür jedoch einfache psychologische Erklärungen: Im Stau zeige sich nun mal die gesellige Seite der Kölner. Er ermögliche es außerdem, sich einmal auszuruhen. Die Kölner sind nach Meinung des Psychologen „Weltmeister im Träumen“. Unvollendetes sei schlichtweg faszinierender als Fertiges, da das Träumen, sobald etwas fertig gestellt wurde, nicht mehr möglich ist. Die Kölner lieben ihre Welt eben als Provisorium – was laut Grünewald auch darin deutlich wird, dass Köln eine der wenigen Städte mit zwei Ikea-Filialen ist.
Auf die steigende Anzahl der begangenen Straftaten und die mangelnde Zivilcourage der Kölner angesprochen, attestierte der Psychologe den Kölnern eine „teilnahmslose Wohlgefälligkeit“. Die Menschen hätten Spaß am bunten Treiben, würden jedoch nicht eingreifen. Bei allem Humor ließ Grünewald es sich jedoch nicht nehmen, zu mehr Zivilcourage aufzurufen und an die Kölner zu appellieren, „Menschen der Tat zu werden“.
Auch der problematische Haushalt der Stadt lässt sich laut Grünewald psychologisch deuten. Dass ein Nothaushalt droht und die Steuern erhöht werden mussten, liege daran, dass die Kölner die „Griechen Deutschlands“ seien. So wie die Griechen sich auf die Zeit ihrer alten Größe rückbesonnen und diese herbeiwünschten, so hätten die Kölner zwar den Wunsch, Metropole zu sein, wollten ihre Gemütlichkeit dafür jedoch nicht aufgeben. Sei es der Opernumbau oder der Bau eines neuen Museums: Nach Grünewald verselbstständigen sich die Träume der Kölner. Da diese jedoch Geld kosten, würde durch kölsche Klüngelstrukturen einfach an der Finanzierung gedreht. Der von Oberbürgermeister Jürgen Roters angesprochene „Spagat zwischen Investieren und Sparen“ sei den Kölnern letzten Endes deswegen nicht möglich, da diese sich am liebsten „das Sparen sparen würden“.
Und dennoch: Obwohl Köln auf dem aktuellen Städteranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Wirtschaftswoche als viertgrößte Stadt der Bundesrepublik gerade mal auf einem schlechten 41. Platz steht, ist nicht zu leugnen, dass Köln eine lebenswerte Stadt ist. Wie sonst wäre es zu erklären, dass trotz der angesprochenen Probleme immer mehr Menschen nach Köln ziehen? Grünewald ist sich sicher: Köln ist eine Marke, die gelebt wird. Und in diesem Sinne gibt er mit einem Augenzwinkern eine einfache Begründung dafür ab, warum Köln als Standort für Unternehmen trotz aller Baustellen immer noch attraktiv ist: Arbeitgeber könnten sich in Köln über Mitarbeiter freuen, die bestimmt nie kündigen werden, da sie schlichtweg nie wieder aus Köln weg wollten.
Katharina Teschner
Satirisch-psychologische Diskussionsrunde zu Kölner Themen: Stefan Sommer, Stephan Grünewald, Claudia Schall (Foto: Teschner / Hayit Medien)
*Satirische Nachricht vom Katerfrühstück des Arbeitgeberverbandes:
Maulschellen für Baustellen
Die jährlich rund 12 Tausend Kölner Baustellen bekommen einen neuen Organisator. Der Rat der Stadt Köln hat mit großer Mehrheit entschieden, das Management und Controlling zukünftig in die Hände von Anno… Nühm… zu legen. Der ehemalige Boxpromoter und Ringgastronom passe auf das von einem Headhunter erarbeitete Anforderungsprofil, heißt es, und zwar wie die Faust aufs Auge. Nühm habe Erfahrung mit Rotlicht und Verkehrswesen und verfüge zudem über beste Kontakte in den Bau.