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Kunst auf dem Kölner Grüngürtel

Ausstellung von Ralf Witthaus in der Emmanuel Walderdorff Galerie

Ausstellung "Die Welt" des Kölner Künstlers Ralf Witthaus mit Bildern seines Projekts "Die Bundesrasenschau" (Foto: Nimmrichter / Koeln-Magazin.de

Der Innere Grüngürtel um Köln im Spätsommer 2010: Ein Mann mäht den Rasen – soweit nichts Ungewöhnliches. Aber Ralf Witthaus mäht nicht auf der ganzen Fläche, sondern nur auf exakt abgesteckten Arealen. Die werden nach und nach zu einem gleichmäßigen Weg mitten auf dem Rasen. Es weht rot-weißes Flatterband. Um Witthaus herum sieht man weitere  Arbeiter mit Vermessungsgeräten, Rasenmähern und Laubharken. Alle tragen weiße Hemden und schwarze Hosen.

Die Szene erweckt die Aufmerksamkeit der Passanten. Einige gucken und gehen weiter, vielleicht schütteln einige von ihnen verständnislos den Kopf. Aber immer wieder kommen auch Menschen auf Witthaus und seine Helfer zu: Viele fragen, was er da überhaupt mache. Manche beschweren sich, er würde den schönen Grüngürtel verunstalten. Ein Mann tritt in den Sitzstreik und blockiert die Fläche auf seinem Campingstuhl. Meistens kommt der Künstler mit den Leuten ins Gespräch und erzählt ihnen von seinem Projekt, der Bundesrasenschau. Einige von ihnen kommen in den nächsten Tagen wieder, um zu helfen und Teil dieser Kunstaktion zu werden.

Einmal um die Stadt spazieren
Für die Bundesrasenschau hat Ralf Witthaus einen durchgängigen Weg in die Grünflächen rund um Köln gemäht. Das Wegesystem um die Stadt weist Brüche auf. In jedem Park sind die Wege anders angelegt. Die Intention des Künstlers war es, alles miteinander zu verbinden und den Kölner Bürgern den Anstoß zu geben, einmal um die Stadt zu spazieren. Er deckt verloren gegangenes Potential auf und verdeutlicht die besondere Parkstruktur der Stadt Köln.

Dafür benötigen er und sein Team fast zwei Monate. Als sie wieder am Startpunkt im Rheinpark ankommen, hebt sich die einst gemähte Fläche dunkel vom restlichen Rasen ab. Man könnte denken, die harte Arbeit der vergangenen Wochen wäre umsonst gewesen. Witthaus und seine 60 ehrenamtlichen Helfer haben an 40 Tagen, in 1400 Stunden 2200 Säcke Grünschnitt und 3300 kg Kompost produziert. Und sie haben Kunst geschaffen.

Peter Plümpe, einer der Helfer, schwärmt vom Team, das aus ganz Deutschland zusammengekommen ist: Obwohl die Arbeit körperlich anstrengend war, sei man morgens gerne aufgestanden um weiterzumachen. Da sei so viel Kameradschaft entstanden. Das Team habe mit Elan und Spaß gearbeitet, sich gegenseitig unterstützt und motiviert.

Ohne seine Leute, die hinter ihm stehen, wäre das Projekt unmöglich gewesen, das weiß auch Ralf Witthaus. Er hat eine Schlüsselposition in diesem Projekt: Er entwickelt, organisiert und realisiert nicht nur, über ihn findet auch ein großer Teil der Vermittlungsarbeit vor Ort statt. Die Passanten können ihn direkt ansprechen und so manchmal sogar Teil des Kunstwerks werden. So wie der Demonstrant auf seinem Campingstuhl. Witthaus musste um ihn herummähen und hat sich im Nachhinein dafür entschieden, das auch so zu lassen.

Projekt der Vergänglichkeit
Das Besondere an diesem Projekt ist seine Vergänglichkeit. Doch gerade die hält der Künstler bei einem solchen Werk für wichtig. Auch wenn man das Kunstwerk nicht mehr sehen könne, sei es gespeichert – in den Orten, so Witthaus.

Jetzt ist der Weg auf dem Grüngürtel nicht einmal mehr zu erahnen. Besucher der Galerie können die Arbeit der Bundesrasenschau in der Ausstellung „Die Welt“ noch einmal nachvollziehen. Der Fokus der Ausstellung liegt auf einer fotographischen Serie, die zwar einen unmittelbaren Bezug zu den Rasenprojekten hat, sich aber von den örtlichen Themen emanzipiert. Sie stellt eine eigene Untersuchung der gemähten Rasen-Kompositionen mit eigenem künstlerischem Wert dar.

„Die Welt“ stellt außerdem die Entwicklung des Künstlers dar. Ihm ist wichtig zu zeigen, dass er nicht nur Konzeptkünstler ist. Es sind die Werke seiner „gefühlt ersten Fotoreihe“ bis zu seinen heutigen Projekten ausgestellt, von den Anfängen in der Buchdeckelkunst bis zu seinem bisher größten Projekt „Die Bundesrasenschau, Ralf Witthaus´ Rasenmäherzeichnung für den Inneren Grüngürtel von Köln 2010“.

Dem Namen seiner Ausstellung wird Witthaus mit seinem nächsten Projekt gerecht: Er plant mit seinem Team nach Neuseeland zu reisen und dort Rasenmäherkunst zu machen.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 17. März 2012 in der Emmanuel Walderdorff Galerie.

Emmanuel Walderdorff Galerie
Jülicher Str. 27
50674 Köln

Öffnungszeiten:
Di – Fr 14.00 – 18.00 Uhr
Sa 12.00 – 16.00 Uhr


Charlotte Nimmrichter

 

Ralf Witthaus mäht nicht nur Kunstwerke in Rasenflächen, er gestaltet auch Buchdeckel. (Foto: Ralf Witthaus)

 

Alle Beteiligten schwärmen besonders vom besonderen Zusammenhalt im Team. (Foto: Harald Neumann)

 

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