Kunst und Kontroverse in Picassos Spätwerk
Vom 28. Oktober 2023 bis zum 4. Februar 2024 präsentiert das Museum Ludwig mit der Sammlung „Suite 156“ ein spätes Werk von Pablo Picasso: 155 Radierungen aus den Jahren 1968 bis 1972. Anlässlich des 50. Todestages des Künstlers finden in Europa und den USA zahlreiche Ausstellungen statt. So auch im Museum Ludwig, das die drittgrößte Sammlung Picassos weltweit beherbergt.
Erotische Begierde als verbindendes Motiv
Die Besucher:innen erwartet im ersten Stock des Museums eine eindrucksvolle Inszenierung von Picassos Werk. Bei den meisten Radierungen und Druckgrafiken stehen die sexuelle Begierde und die weibliche Aktdarstellung im Vordergrund, und das in verschiedenen Szenarien, vornehmlich im Bordell. Obwohl technisch brillant, stieß die explizite Darstellung von sexuellen Handlungen besonders in konservativen Kreisen auf Kritik.
Picassos Werk im Zeichen der Zeit
Picassos Suite 156 entstand in den frühen 1970er Jahren – politischer und gesellschaftlicher Wandel prägten diese Zeit. Traditionelle Normen wurden in Frage gestellt und die Rufe nach sozialen Veränderungen hin zu mehr Gleichberechtigung wurden immer lauter. Eine spannende Zeit, die glücklicherweise in dieser Ausstellung intensiv mitbetrachtet wird. Die Kuratorin Eboa Itondo ist Kulturwissenschaftlerin und bringt eine erfrischende Perspektive in die Sammlungspräsentation, indem sie Picassos Werke einordnet, vergleicht und um verschiedene Perspektiven erweitert.
Viel Platz in der Ausstellung bekommt das Magazin Le Torchon brule aus den Jahren 1970-72. Es wurde von einer Gruppe Aktivistinnen und Künstlerinnen rund um Marie Dedieu herausgegeben, in dem Magazin ging es unter anderem um Gleichstellungsforderungen und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Dass die Herausgeberin Marie Dedieu aufgrund von Zeichnungen angeklagt worden ist, während die Werke von Pablo Picasso straffrei veröffentlicht werden konnten, zeigt die grundlegende Ungleichbehandlung von Mann und Frau auf. Und regt zum Nachdenken an, wo unsere Gesellschaft heute – 50 Jahre später – beim Thema Gleichberechtigung steht.
Ergänzt wird die Sammlung außerdem durch eine Neuproduktion der zeitgenössischen afghanischen Künstlerin Kubra Khademi, die 2015 aufgrund einer Performance in Kabul ihre Heimat verlassen musste und seitdem in Paris lebt. Die Umkehr in ihren Werken vom männlichen zum weiblichen Blick erweitert das Thema der sexuellen Begierde um eine außereuropäische, weibliche Perspektive.
Praktische Infos
Das Museum Ludwig hat von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, jeden ersten Donnerstag im Monat schließt das Museum erst um 22 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene ist 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Die Ausstellung ist bis zum 4. Februar zu sehen.
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