„Etwas mit Medien“ – darum geht es im Medienforum NRW. Letztes Jahr neu positioniert im Gerling Quartier, hat sich das Medienforum NRW in diesem Jahr erneut gewandelt, mit der Fernseh-Technik-Messe Anacom zusammengetan und tagte im Congress-Centrum Ost der Köln-Messe. Auflagenrückgänge und Anzeigenverluste bei Tageszeitungen, das ist nichts Neues. Doch bei vielen Medienunternehmen sind die Verluste mittlerweile schmerzhaft. So wie bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Voller Schwung und neuer Ideen: Thomas Lindner möchte und muss als Vorsitzender der Geschäftsführung bei der überregionalen Tageszeitung FAZ vieles ändern
Zum Vortrag der Keynote war der neue Verlagsgeschäftsführer (seit 4 Monaten im Amt) Thomas Lindner nach Köln gekommen. „Wir sind zwar grundsolide finanziert“, so Lindner, der vorher bei Gruner + Jahr gearbeitet hatte, „aber auf Dauer können und wollen wir die Millionenverluste natürlich nicht tragen.“ In Frankfurt arbeite man hart am Umbau der Verlags- und Redaktionsprozesse. Dabei sei es, so Lindner, hinderlich, dass es im Unternehmen keine modernen IT-Strukturen gäbe. Deshalb lautete auch sein Rat an alle Verlagsunternehmen und Verleger: „Investieren Sie in IT und machen Sie den Leiter der IT zu Ihrem Stellvertreter im Unternehmen“. Nur so könne man als Verlag zukunftsfähig bleiben.
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war auch kurz da. Sie hat dienstags immer Kabinettsitzung und muss wichtige Entscheidungen in Düsseldorf treffen. Aber sie ließ es sich nicht nehmen, das Medienforum NRW mit einer kurzen Rede zu eröffnen, die sich im Wesentlichen auf ihre Grundsatzrede bei der Eröffnung im Vorjahr bezog. Ihre Kernaussage zur Medienpolitik: „Unsere Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass unser komplexes Regulierungssystem Raum dafür lässt, um die Medienvielfalt auf lokaler und regionaler Ebene zu schützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass es für unsere Medienunternehmen beim Wettbewerb auf zunehmend globalisierten Märkten nicht zum Hemmschuh wird.“ Kraft betonte die enorme Bedeutung und dichte Konzentration der Medien-Industrie in Nordrhein-Westfalen. Und für die Konsumenten forderte sie, dass auch in Zukunft der barrierefreie Zugang zum Internet sichergestellt werden müsse.
WDR-Intendant Tom Buhrow baut an der Zukunft des WDR
Man kennt ihn aus dem Fernsehen: Ex-Tagesschau Anchorman Tom Buhrow. Mittlerweile ist er Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Und auch in dem einstmals so behäbigen „Behörden“-Sender tut sich vieles. Buhrow wirkte bei seinem Vortrag recht engagiert und ehrlich. Obwohl die Einnahmen bei den neu strukturierten Rundfunkgebühren gestiegen seien, so Buhrow, sei beim WDR weniger Geld in der Kasse. Seit vielen Jahren täten sich dort Löcher auf, was ihm jedoch niemand glaubte – noch nicht einmal die eigenen Mitarbeiter beim WDR. Fakt sei aber, dass der WDR immer mehr leisten solle, aber immer weniger Mittel zur Verfügung habe. Laut Buhrow seien Umstrukturierungsmaßnahmen begonnen worden. Dies geschehe im Gegensatz zu anderen Sendern nicht „von oben“, sondern unter Einbeziehung der Abteilungen auch auf unteren Ebenen. Buhrow will den digitalen Wandel ebenso anpacken wie die Programme für jüngere Zielgruppen. Aber die fetten Jahre seien für den WDR endgültig vorbei, so der WDR-Intendant.
Und man konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass viele Medienmenschen im Auditorium des Medienforum NRW insgeheim dachten: „Das gilt auch für uns“.
Text und Fotos: Ertay Hayit