Man merkt ihm an, dass er gerne Oberbürgermeister war. Jürgen Roters, der scheidende OB der Stadt Köln, wirkte auf seinem letzten Presse-Treffen leicht melancholisch. Gerne wäre er auch weiterhin im Amt geblieben, wisse aber, dass ihm dieses nur auf Zeit verliehen worden sei, so Roters.
Gerührt war er von einem unerwarteten Abschiedsständchen der Initiative „Arsch Huh". Ins Rathaus kamen neben Sprecher Hermann Rheindorf, "Bömmel" Lückerath, Jürgen Zeltinger, Henning Krautmacher, Wolfgang Niedecken und viele andere. „Einer von ihnen", so Roters etwas stolz, „meinte ich sei ne joode Jung."
Die Macher der Initiative "Arsch huh" verabschieden Oberbürgermeister Roters mit einem Ständchen (Foto: Presse Stadt Köln)
Noch 35 Tage Urlaub hat Roters. Die gönne er sich jetzt erst einmal. Denn für eine Stadt wie Köln verantwortlich zu sein, sei schon eine große Bürde, eine Last, die man auf den Schultern trage. Er habe diese zwar sehr gerne getragen, aber jetzt freue er sich freier zu sein und nicht mehr in der ersten Reihe sitzen zu müssen und das Geschehen in Köln mit mehr Abstand betrachten zu können.
In den letzten Monaten gab es Dinge, die ihm viel Sorge bereitet haben. Die städtischen Bühnen, die Verschiebung der Oberbürgermeister-Wahl und besonders der heimtückische Mordanschlag auf die neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker.
Aber insgesamt sei er mit seiner Amtszeit zufrieden. Er habe mehr als 1.600 Reden gehalten, an mehr als 7.000 Veranstaltungen teilgenommen. Köln wächst. Es gibt mehr Geburten als Todesfälle. Bei den Kindertagesstätten für Kinder unter 3 Jahren belege Köln einen Spitzenplatz in Nordrhein-Westfalen.
Für den Erhalt und den Ausbau der "historischen Mitte", des Stadtkerns mit seinen Kirchen und Plätzen habe er sich eingesetzt und hoffe, dass seine Nachfolgerin dies weiter vorantreibe.
Ratschläge möchte er seiner Amts-Nachfolgerin nicht geben. Dafür sei Henriette Reker eine zu erfahrene Persönlichkeit. Aber er werde da sein, wenn man ihn um Rat fragt.
Heute, am 20. Oktober 2015, ist der letzte Arbeitstag von Oberbürgermeister Roters. Zur Arbeit sei er fröhlich und guter Dinge gefahren. Mit einem Lied auf den Lippen. Trotzdem: Ein bisschen Wehmut vibriert bei den Schilderungen des Jürgen Roters mit.
Kommentar von Ertay Hayit, Chefredakteur Koeln-Magazin.de
Zu Jürgen Roters hatte ich als Journalist keine besondere Nähe. Ich halte mich auch bewusst von Entscheidungsträgern der Kommunalpolitik fern. Aber bei Roters hat mir immer gefallen, dass er ohne Ausnahme authentisch wirkte. Seine Auftritte vor Presse oder Publikum machten auf mich einen ehrlichen Eindruck. Und das ist es, was Bürger von Politikern erwarten. Und dafür sage ich ganz persönlich: „Danke, Jürgen Roters!"
Ertay Hayit