Unter dem Titel „Jugendwelle in der Nationalelf – folgt jetzt die goldene Generation?“ lud der Spiegel zum Gespräch in den Hörsaal 1 der Deutschen Sporthochschule Köln, die selbst seit einigen Jahren eng mit der Nationalmannschaft zusammenarbeitet. Im Anschluss an einen kurzen, einleitenden Vortrag über das Thema „Unternehmen Nationalmannschaft“ wurde Bierhoff (42) von Alfred Weinzierl vom Spiegel vor allen Dingen zum neuerlichen Jugendtrend beim Deutschen Fußballbund (DFB) befragt.
Nachdem der deutsche Fußball um die Jahrtausendwende an einem vorübergehenden Tiefpunkt angelangt war, wurde in der Jugendförderung des DFB vieles erneuert. Inzwischen haben die Erfolge der letzten Jahre und besonders die erfrischende Art und Weise wie die Mannschaft Fußball spielt und als Musterbeispiel für Integration agiert, die Hoffnungen der Fans auf eine glorreiche Zukunft genährt.
Özil und Khedira zeigen auch in Spanien starke Leistungen
Bierhoff wollte sich zwar nicht so recht aus der Deckung locken lassen, dass aber auch er an „die goldene Generation“ glaubt, konnte die junge Zuhörerschaft trotzdem den teilweise ausweichenden Antworten Bierhoffs vernehmen. Dennoch gestand er etwas überraschend ein, „dass nicht unbedingt damit zu rechnen war, dass sich Mesut Özil und Sami Khedira bei Real Madrid auf Anhieb durchsetzen würden“. Die beiden Shootingstars der vergangenen Weltmeisterschaft in Südafrika waren nach dem Turnier zu den „Königlichen“ gewechselt und überzeugen bisher auch dort mit ansprechenden Leistungen.
Die kritische Frage Weinzierls, ob viele Talente aufgrund des enormen Zeitaufwandes in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nicht auf der Strecke blieben, konnte Bierhoff nicht vollends verneinen. Aus eigener Erfahrung konnte er aber darauf verweisen, dass als Profi beispielsweise ein begleitendes Studium möglich sei. Spätestens sein Geständnis, 25 Semester studiert zu haben, sicherte Bierhoff dann auch die Sympathien der Sportstudenten.
Ziel Europameister 2012
Heute gilt Bierhoff als einer der Väter des Erfolgs der Nationalelf. 2004 hat der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann eigens für ihn den Posten des Teammanagers einrichten lassen. Auch unter Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw blieb Bierhoff trotz wiederholter Diskussionen um seine Person weiter im Amt. Nach den begeisternden Vorstellungen der Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika verlängerten der komplette Trainerstab sowie Bierhoff ihre Verträge bis einschließlich zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine.
Auf die Frage, wann die spanische Dominanz im Weltfußball enden könnte, antwortete Bierhoff trocken: „Hoffentlich 2012“ – nicht nur in den Ohren der Studenten war das eine eindeutige Zielvorgabe.
Benjamin Kimmig

Der Hörsaal 1 der Sporthochschule platzte aus allen Nähten
(Foto: Koeln-Magazin.de)