Gute Stimmung, viele Gäste in bester Partylaune, neugierige Passanten – an der Frankenwerft, im Schatten von Groß-Sankt-Martin, war am Donnerstagabend (26.11.2008) viel geboten. Oberbürgermeister Fritz Schramma und Kölschrocker Stephan Brings freuten sich mit den beiden Gründern der Polit-Kneipe, Friedel Drautzburg und Harald Grunert, sowie den Betreibern der Ständigen Vertretung (StäV), Thomas Ulrich und Thomas Weinberger, über die erste StäV in Köln. Obwohl es eher eine Rückkehr in die Heimat ist – zumindest für die Gründer. Denn auch wenn die erste StäV 1997 in Berlin gegründet wurde – zuvor hatten Drautzburg und Grunert 25 Jahre lang die politische Prominenz in Bonn gastronomisch umsorgt.
Von der politischen zur gastronomischen Mission
Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland wurde 1973 in Ost-Berlin eingerichtet. Politisch war die kurz „StäV“ genannte Einrichtung eine Art Botschaft – mit soviel Rechten wie nötig, um ungehindert arbeiten zu können, und so wenig Botschaftsstatus wie möglich, da man ja die DDR zwar als Staat, nicht aber als Ausland anerkannt hatte. Amtsleiter wurde Günter Gaus. Die im Gegenzug eröffnete StäV in Bonn Bad Godesberg wurde Dr. Michael Kohl, der allerdings Botschafterstatus genoss.
1990, mit der Auflösung der DDR, wurden auch die Ständigen Vertretungen geschlossen. Sieben Jahre später machten sich Drautzburg und Grunert in gastronomischer Mission auf den Weg nach Berlin und eröffneten die StäV als Kneipe. Am Schiffbauerdamm treffen sich seither Politiker, Berliner und Gäste aus aller Welt zum geselligen Zusammensein bei Kölsch und rheinischen Speisen. Kultstatus erhielt die StäV sehr schnell, auch aufgrund der Fotoausstellung, die zum Teil lustig, zum Teil tiefgründig 40 Jahre Bonner Politik dokumentiert.
Die StäV in Köln
StäVs wurden seither in vier weiteren Städten eröffnet, zum Teil in Lizenz, immer unter Vertrag mit Gaffel Kölsch. Lizenznehmer in Köln sind Ulrich und Weinberger, die nun in den Gasträumen des Rhein-Hotels „Sankt Martin“ die Gäste bewirten. Auch hier bieten zahllose Fotos an den Wänden jede Menge Gelegenheit, mit den Gästen in Kontakt zu kommen: „Sagen Sie, wissen Sie, wer da neben Brandt so komisch aus der Wäsche guckt?“ – und schon kann man gerade in Köln sicher sein, einen oder mehrere Gesprächspartner für den Rest des Abends gewonnen zu haben. Eine feste Sitzplatzordnung wird es in den Räumen nicht geben, dafür eine Raucherlounge mit der Möglichkeit zum Klönen und Qualmen. Die Karte ist rheinisch geprägt, wobei es aber auch phantasievolle Leckereien wie Flammkuchen mit Blootwoosch geben wird.
Cornelia Auschra