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Stunksitzung 2016: Kurzweilige Show mit politischem Biss

Bis Karnevalsdienstag wieder viel Stunk im Kölner E-Werk

Stunksitzung 2016

Spritzig und frech, auch politisch bissig: die Stunksitzung 2016

Viele spannende und zum Teil dramatische Themen gab es im Jahr 2015. Und die prägen recht vielseitig das neue Programm der Kölner Stunksitzung 2016. Sie feierte am 10. Dezember 2015 im Kölner E-Werk Premiere.

Finanzkrise in Griechenland, Umgang mit Flüchtlingen, Pegida, digitale Vernetzung, gemischt mit kölnspezifischen Phänomenen z.B. wie die FC-Fans Kölner Ultras oder der Kölner Opernbau. Alles in allem ausreichend Stoff für freche Sketche, flotte Sprüche und fetzige Musik. Und die hat das Ensemble der Stunksitzung – allen voran Präsidentin Biggi Wanninger – auch für die Session 2016 abgeliefert.

Leider noch nicht ausgestorbene Tierarten werden von Professor Grzimek vorgestellt


In Anspielung auf die Pegida-Demonstrationen präsentierte ein Professor Grzimek leider noch nicht ausgestorbene Tierarten wie „die gemeine Dumpfbacke aus der Gattung Dresdner Dummdödel", die „haarlose Pimmelbirne" (Skinhead) und die AfD-Schnepfe (Frauke P.). Für all diese schlägt der Tierforscher in dem Sketch einen Kastrations- und Leinenzwang vor, weil man „damit ja auch bereits bei Hunden gute Erfahrungen" gemacht hätte.

Refugees welcome – Flüchtlinge willkommen – unter dem Weihnachtsbaum

Ein zänkisches älteres Schwesternpaar – „du hattest zuletzt deine Tage, als wir noch einen Kaiser hatten“ –, bestellt statt der traditionellen Weihnachtsgans versehentlich einen Flüchtling zum Fest. Nach anfänglichem Misstrauen stellen sich jedoch die gemeinsamen Flüchtlings-Schicksale (Ostpreußen / Syrien) heraus. Kreative Performance: Die Leidensgeschichte der „alten" und der „neuen" Flüchtlinge werden mithilfe von Lichtmalerei effektvoll dargestellt. Zum Schluss steht auf der Leinwand: Refugees welcome (Flüchtlinge willkommen). Und das sorgt beim Premieren-Publikum für anhaltenden Applaus.

 

Steffi und Siggi im Youtube-Eltern-Channel

Applaus gibt es auch für die verzweifelten Eltern Siggi und Steffi, die erst einen Youtube-Kanal gründen müssen, um mal wieder mit ihren Kindern ins Gespräch zu kommen.

Neue Rollator-Generation, Modell „Easy Rider"

Oder die Rollator-Präsentation: Zwei Moderatoren stellen die neueste Rollstuhl- und Rollator-Generation vor. Für den Einrichtungs-Freak einen Rollator aus einem Billy-Regal. Für den Motorrad-Fan der Rollstuhl Modell „Easy Rider". Oder für die sexuell aktive WG-Mitbewohnerin (damaliges Motto: „Wer mehrmals mit dem selben pennt, gehört schon zum Establishment") ein Rollstuhl mit Rotlicht-Rundumleuchte und ausfahrbarer Tanz-Stange.

Engel Trude und Harfen-Heini im Himmel

Immer wieder gelungen sind die mit spitzer Zunge vorgetragenen Zwischentöne, mit denen die Sitzungs-Präsidentin Biggi Wanninger durch das gut dreieinhalbstündige Programm führt. Und nicht nur das. Sie schlüpft auch in ihre Paraderolle „Trude Herr" (1991 verstorbene Kölner Schauspielerin), die sich im Himmel als Engel rauchend über die Menthol-Zigaretten des Neuzugangs Helmut (Schmidt) mokiert.

Sitzungspräsidentin Biggi Wanninger

Und sie mimt überzeugend und von vielen Lachern begleitet den angetrunkenen Sitzungspräsidenten Stivvels Jupp. Eine überzeugende Persiflage auf den Kölner Sitzungskarneval.

„Mutter Beimer" bei den IS-Kämpfern

Fünf Kunstfiguren ziehen den IS durch den Kakao. Da trifft eine Gruppe schwerbewaffneter Dschihadisten auf fünf Fernseh-Frauen, die ihnen alle klar machen wo es langgeht. Bei „Mutter Beimer" (Lindenstraße) kommt keiner der ach so starken Terroristen ohne saubere Hände an den Essenstisch, die „Super-Nanny" (RTL) schickt einen der murrenden Kämpfer als pädagogische Maßnahme auf die „stille Treppe". Und „Olivia Jones" (Travestie-Künstler) hat sich in Ali verguckt und möchte sich gerne an Alis Lampe reiben. Boulevard-Queen Carmen Geiss (RTL – Die Geissens) ist empört, dass man in Aleppo nicht mehr shoppen kann.

Carmen Geiss bringt die IS-Kämpfer zur Verzweiflung

RTL-Moderatorin Tine Wittler (Einsatz in 4 Wänden) stylt kurzerhand das Zelt der Kämpfer in ein bonbonfarbenes Hello-Kitty-Zimmer um. Das reicht den IS-Terroristen dann. Sie sprengen sich in die Luft. Im Himmel angekommen, freuen sie sich auf die versprochenen 72 Jungfrauen. Die bekommen sie dann auch. Es sind 72 Jungfrauen aus dem Kölner Dreigestirn.

Hausband der Stunksitzung: Köbes Underground

Keine Stunksitzung ohne Musik und die Band „Köbes Underground". Die Musiker mit Frontmann Ecki Pieper wechseln ihr Repertoire so schnell wie ihre Kostüme, sind mal im Selfiewahn („Ich drück ab – ich seh mich gern von oben"), mal als Macho-Griller am Start oder feiern als Tambourcops eine House-Party.

Finale nach dreieinhalbstündigem Programm

Fazit der Redaktion von Koeln-Magazin.de:
Mehr Show als Kabarett. Aber ideenreich und mit vielen witzig-bissigen Beiträgen. Es fehlt etwas der„rote Faden“ im Programm. Auch diesmal keine Kritik an der Kirche in Köln. Aber: Klasse Ensemble, tolle Biggi Wanninger, Spitzen-Musik. Eigentlich alles wie immer. Aber vielleicht ist das auch der einzige Kritikpunkt. Aber die Fans der Stunksitzung lieben sie gerade weil sie so ist. Also warum was ändern?

Text: Ute Hayit
Fotos: Ertay Hayit

Eckie Pieper, Frontmann der Kölner Band Köbes Underground

Insgesamt gibt es bis zum 9. Februar 2016 51 Vorstellungen der Stunksitzung. Leider sind alle Veranstaltungen ausverkauft. Die Stunksitzung wird jedoch am 4. Februar 2016 um 22.10 im WDR Fernsehen übertragen, WDR 5 sendet das Programm der Stunker am 4. Februar 2016 um 21.05 Uhr.

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