„KI braucht zuerst einmal vernünftige Daten“
Die DMEXCO bringt am 23. und 24. September die Digitalbranche nach Köln. Kaum ein Thema dürfte dort so präsent sein wie künstliche Intelligenz (KI). Doch was verändert KI tatsächlich im Alltag von Agenturen? Agatha Faudot, Agency Marketing Manager beim Softwareanbieter Teamleader, spricht über wachsenden Kostendruck, kleinere Teams, schlechte Daten und die Frage, welche Arbeit künftig Maschinen übernehmen.
Frau Faudot, auf der DMEXCO wird in diesem Jahr wieder viel über künstliche Intelligenz gesprochen. Was verändert KI in Agenturen bereits heute ganz konkret?
Viele Agenturen stehen vor derselben Herausforderung: Sie haben mehr Projekte und engere Zeitpläne, aber nicht zwangsläufig mehr Personal. KI kann hier vor allem bei Aufgaben helfen, für die bereits viele Daten vorhanden sind. Das betrifft zum Beispiel die Kapazitätsplanung, Projekte, Zeiterfassung oder Rechnungsstellung.
Das klingt zunächst nach Automatisierung. Wo beginnt für Sie der eigentliche Einsatz von KI?
Eine wichtige Voraussetzung, um KI wirksam einzusetzen, sind saubere, verlässliche und zentral vorliegende Daten. Statt operative Informationen über verschiedene Tools zu verstreuen, sollten Agenturen ihre Projekte, Ressourcen, Finanzen und weitere zentrale Daten an einem Ort verwalten. Erst wenn diese Grundlage stimmt, ergibt es Sinn, KI daraufzusetzen. Dann lassen sich beispielsweise Fragen zur Auslastung oder zu Projekten in natürlicher Sprache stellen.
Viele Unternehmen experimentieren gerade mit ChatGPT und anderen KI-Assistenten. Reicht das für Agenturen schon aus?
Für einzelne Aufgaben kann das hilfreich sein. Im Agenturalltag liegen Informationen aber häufig in unterschiedlichen Systemen. Projektmanagement, Zeiterfassung, Vertrieb und Rechnungen sind dann voneinander getrennt. Ein KI-Assistent kann nur sinnvoll mit diesen Informationen arbeiten, wenn er Zugriff darauf hat und die Daten zusammenpassen.
KI wird oft mit der Hoffnung verbunden, mit weniger Menschen mehr Arbeit erledigen zu können. Sehen Sie diese Entwicklung auch in der Agenturbranche?
Wir sehen zumindest, dass Wachstum und Personalaufbau nicht mehr automatisch parallel verlaufen. Eine Sonderauswertung des Internetagentur-Rankings 2026 von iBusiness, auf die wir uns beziehen, kommt zu dem Ergebnis, dass 56 Prozent der befragten deutschen Digitalagenturen mit steigenden Umsätzen rechnen. Zusätzliches Personal wollen demnach 36 Prozent einstellen.
Auch bei unseren mehr als 4.000 Agenturkunden sehen wir, dass eine zentrale Datenbasis für Unternehmen wichtig ist, die mit einer stabilen Teamgröße wachsen wollen.
Bedeutet das im Umkehrschluss, dass KI Arbeitsplätze in Agenturen ersetzen wird?
Aus diesen Zahlen lässt sich das allein nicht ableiten. Sie zeigen zunächst, dass Unternehmen Wachstum offenbar nicht mehr zwingend mit einem entsprechenden Personalaufbau verbinden. Welche Aufgaben KI übernimmt und was das für einzelne Berufsbilder bedeutet, hängt stark von den jeweiligen Abläufen in einer Agentur ab.
Welche Tätigkeiten eignen sich aus Ihrer Sicht besonders für KI?
Vor allem Aufgaben, bei denen Informationen bereits strukturiert vorliegen. Ein Beispiel ist die Kapazitätsplanung. Wenn Daten zu Projekten, Arbeitszeiten und verfügbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhanden sind, kann ein KI-System diese Informationen auswerten. Ähnliches gilt für Fragen zu Budgets oder zum Stand einzelner Projekte.
Und wo stößt KI im Agenturalltag an Grenzen?
Eine zentrale Grenze ist die Qualität der Daten. Sind Arbeitszeiten nicht erfasst oder Projektdaten unvollständig, kann auch eine KI daraus keine verlässliche Antwort ableiten. Deshalb beginnt der sinnvolle Einsatz von KI oft bei einem ziemlich unspektakulären Thema: Unternehmen müssen ihre eigenen Daten in Ordnung haben.
Köln ist mit der DMEXCO für zwei Tage Treffpunkt der internationalen Digitalwirtschaft. Welche Bedeutung hat eine Messe heute noch für eine Branche, die fast vollständig digital arbeitet?
Auf einer Messe lässt sich in kurzer Zeit beobachten, mit welchen Problemen sich andere Agenturen und Unternehmen beschäftigen. Gerade bei KI ist das hilfreich, weil zwischen Ankündigungen und dem tatsächlichen Einsatz im Arbeitsalltag ein Unterschied besteht. Auf der DMEXCO lässt sich sehen, welche Anwendungen bereits praktisch genutzt werden.
Was sollte nach der DMEXCO bei Agenturchefinnen und Agenturchefs auf der Aufgabenliste stehen, wenn sie KI sinnvoll einsetzen wollen?
Zuerst würde ich prüfen, wo die eigenen Daten liegen und wie vollständig sie sind. Welche Informationen gibt es zu Projekten, Kapazitäten, Arbeitszeiten oder Budgets? Sind sie über mehrere Systeme verteilt? Erst danach stellt sich die Frage, welche KI-Anwendung damit sinnvoll arbeiten kann.
Agatha Faudot und Teamleader auf der DMEXCO
Teamleader ist ein 2012 in Gent gegründeter belgischer Softwareanbieter und nach eigenen Angaben Teil der Visma-Gruppe. Auf der DMEXCO 2026 zeigt das Unternehmen in Halle 8.1 am Stand C018 ein neues MCP-Interface für seine Agentursoftware Teamleader Orbit, über das KI-Assistenten auf operative Agenturdaten zugreifen können.
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