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Simpsons-Symposion

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Ein Simpsons-Symposion

„Friss meine Shorts!“, quäkte Bart Simpson, alias Sandra Schwittau, zum Abschluss der Veranstaltung durchs Mikrofon. Mit Ausnahme der vulgären Schlussbemerkung, verlief das Simpsons-Symposion anständig und mit interdisziplinär-wissenschaftlichem Charakter.

Die Simpsons-Experten Jakob Hein und Falko Hennig, der Kunsthistoriker Henry Keazor, Redakteur Willi Winkler und Sandra Schwittau, Barts deutsche Synchronsprecherin, trafen sich zur lit.Cologne auf dem Literaturschiff, um die vierfingrigen Gelben zum Gegenstand ihrer akademischen Betrachtungen zu erklären.

Den Einstieg boten Jakob Hein und Falko Hennig mit Filmsequenzen aus 20 Jahren Simpsons, an denen sie die Rausch- und halluzinatorischen Zustände in Springfield untersuchten. Die Besucher entlarvten sich sofort als Experten –
die ersten Lachsalven brachen aus, als Episoden gezeigt wurden, in denen Bart noch 12 statt 9 Haarzacken trug. Zum Gemeinschaftsgefühl der Simpsons-Fans trug ebenso Homers Hymne bei, die Hennig und Hein anstimmten. Textsicher sang das Publikum im Chor: „Duff beer for me, duff beer for you, I have a duff, you have one too.”

Im Anschluss philosophierte Willi Winkler darüber, warum Homer ein glücklicher Mensch ist, trotz donutförmiger Figur, Antriebslosigkeit und frühem Haarverlust. Die Antwort ist so einfach wie genial – Homer sei der Phänotyp unseres Zeitalters, er habe den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit bisher nicht gefunden. Angelehnt an Odysseus’ Homer sei der Simpsons-Vater ein Antiheld: erfolglos, hässlich und dumm –dennoch glücklich und seinem Schicksal ergeben.

„Sind Simpsons Kunst?“, dieser Frage stellte sich der Kunsthistoriker Henry Keazor abschließend. Er reflektierte über die Angewohnheit von Figuren und Kulissen, sich als Zitate weltberühmter Kunstwerke zu präsentieren. Ob der von Lisa nachgestellte Schrei von Edward Munch, die Tournee von Michelangelos David durch Springfield oder die Höllendarstellung in Anlehnung an Hieronymus Bosch – zahlreiche Anspielungen belegen Keazors These. Die Simpsons-Macher greifen nicht nur berühmte Gemälde auf, ebenso gebe es unzählige Verweise auf Literatur und Musik, so der Akademiker.

Die Expertenrunde war sich einig: Matt Groenings Zeichentrickserie ist eine Aneinanderreihung scharfsinniger Kommentare über die moderne Gesellschaft, vom Fernsehkonsum einer Durchschnittsfamilie bis hin zum amerikanischen Gesundheitssystem. Nur Bart schien zuletzt erstaunt zu sein über die Fülle des Analysematerials, welches er und seine Familie hergeben. Falko Henning lieferte am Ende der interdisziplinären Betrachtung einen Grund für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Kultfiguren: „Die Intelligenten werden intelligenter. Die Dummen eher nicht, aber sie lachen wenigstens.“

 

Madlen Kazmierczak

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